Die Welt verändert sich. Der Zeitgeist 2026 macht offenbar, dass wir Menschen ein neues Narrativ brauchen. Die auf Paragraphen und Währungen basierte Weltordnung ist in Ihren letzten Zügen.

Menschengemachte und systemimmanente Ungerechtigkeit ist allgegenwärtig. Das Versprechen ungebremsten Wachstums findet sein Ende im Umgang mit Völkermord, Hungertod und Atomdrohung. Auf einem Planeten, auf dem Informationen flächendeckend Verfügbar sind, lässt sich zunehmend schwer mit zweierlei Maß messen – jedenfalls nicht, möchte man einen letzten Funken Gerechtigkeitssinn bewahren. Menschen leiden heute in mannigfaltiger Weise – wie eh und je. Nur kann jetzt ein jeder und eine jede Zuschauen – und was früher bedingt war durch natürliche Umstände und einen Mangel an Ressourcen ist heute bedingt durch die geltende Wirtschaftsordnung. Dabei Zuzuschauen ist kaum noch auszuhalten. Die Zahlen psychischer Erkrankungen steigen.

In Deutschland erfüllt mehr als jeder vierte Erwachsene jährlich die Kriterien einer psychischen Erkrankung, oft Angststörungen oder Depressionen, die auch Hauptursache für Arbeitsunfähigkeitstage sind, welche sich in den letzten Jahren deutlich erhöht haben. Psychische Erkrankungen waren 2021 die häufigste Ursache für Krankenhausbehandlungen von 10- bis 17-Jährigen, vgl. Statistisches Bundesamt.

Trotz des Vorhandenseins an allen möglichen materiellen Dingen scheint das Wohlbefinden also zu stagnieren, ja sogar zu sinken. Jedenfalls, wenn man das Fehlen von psychischen Erkrankungen als Wohlbefinden werten kann. Wir stecken in einer echten Sinnkrise.

Das Leid wächst in den Köpfen der einzelnen, verbindet und vermischt sich im (wenn noch vorhandenen) Familienverbund, findet seinen Weg in lokale Gruppen und wirkt schließlich auf ganze Staaten und die Menschengemeinschaft ein. Gepaart mit Unwissenheit und der menschlichen Urangst vor allem fremden entsteht ein Klima der Gewalt, der Unmenschlichkeit, Ab- und Ausgrenzung, der Abwesenheit von Recht und Ungerechtigkeit.

Dabei wäre es doch in Anbetracht der technologischen Möglichkeiten unserer Generation nunmehr an der Zeit, uns zusammenzufinden, innezuhalten und uns zu erinnern, woher wir kommen und wohin wir gehen (wollen).

Was können wir tun?

Das Mysterium des Lebens, das größte Geschenk, die reinste und schönste Perle, unsere Existenz, verkommt im Angesicht unseres Daseins zu einer traurigen Abfolge von Belanglosigkeiten, Empörung, stummen und lautem Aufschrei, wird zunehmend kraft- und magielos. Roboter und Robotik übernehmen das, was vom menschlichen Leben noch übrig ist.

Neue Technologien gepaart mit der ungestillten menschlichen Gier erobern die Welt und bringen die bestehenden Ordnungen ins Wanken.

Social Media ermöglicht uns jederzeit in Sekundenschnelle den Vergleich mit anderen – denen es in bester Photoshopmanier aufgebauschten Bildern – viel besser geht als uns. Doch stimmt das überhaupt? Die meisten fühlen sich gleich leer und richtungslos – wir gleichen Schiffen ohne klaren Kurs und scheinen verdammt, von Winden und Gezeiten getrieben hin und her zu dümpeln.

Was kann in einer solchen Zeit der Veränderung Halt und Richtung geben?

Vieles hat sich Verändert, was die menschlichen Sinnesorgane in den letzten hundert, tausend oder zehntausend Jahren erlebt haben. Noch mehr wird sich in der Zukunft verändern. Manche Erfahrungen jedoch bleiben gleich.

Zum Beispiel erfahren wir Gefühle heute noch gleich. Die äußeren Umstände mögen sich geändert haben, das innere Erleben hat es nicht.

Das Gefühl von Liebe. Das Gefühl von Geborgenheit. Der Hass, der Zorn, Ablehnung, Trauer, Wut und Extase, Spaß und Vergnügen, sie alle bleiben gleich. Das Gefühl wenn der Körper von Wasser umschlossen wird – das Gefühl des Eintauchens – bleibt gleich. Es hat sich im 17., 18., 19., 20., und 21. Jahrhundert schon gleich angefühlt. Zur Zeit scheint eher fraglich, ob es ein 22. Jahrhundert mit Menschen auf der Erde geben wird, wenn wir so weiterleben.

Noch immer sind wir auf der Suche und scheinen bislang kaum eine Lösung dafür gefunden zu haben mit unserem Dasein zu unserem eigenen besten und dem unserer Nächsten umzugehen.

Weder die großen Weltreligionen noch Paragraphen oder Dollar haben hieran etwas zu ändern vermocht. Einzig die Reise nach Innen ist es, die uns diesen Dimensionen des Daseins näher kommen lässt.

Regeln und Institutionen können nur bedingten Einfluss auf die Art und Weise unseres Zusammenlebens haben – denn Sie vermögen nicht, an der wichtigsten der Stellschrauben zu drehen: dem Ich, dem Selbst, am Individuum und wie es sich in Relation zu allen anderen Dingen verhält. Dies bleibt einzig und allein in der Hand von Dir, von mir, von uns – jedem selbst. Packen wir es an.

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